Diesem Gedicht von Klaus Konjetzky...
Klaus Konjetzky
An die Eltern
(Ihr kennt das Leben, also laßt mich es kennenlernen) Ihr sprecht von der Verantwortung, die ihr für mich
habt – aber ihr wollt nur, daß ich so werde wie ihr. Ihr sagt, ich solle mich mehr für Kultur
interessieren – aber euch interessieren nicht die Lieder der Rolling Stones. Ihr behauptet, Fernsehen macht träge – aber ihr sitzt regelmäßig vor Dalli Dalli. Ihr sagt, es komme auf den Menschen an – aber ihr verlangt, dass ich mir die Haare schneiden
lasse. Ihr sprecht
von den Erfahrungen, die ihr gemacht habt
– aber ihr wollt nicht, daß ich in eine Diskothek gehe. Ihr fordert Vertrauen und Offenheit – aber ihr sperrt, wenn ihr geht, das Telephon ab. Ihr sagt, es sei nicht alles in Ordnung im Lande
– aber euch stört mein Kontakt zur Gewerkschaftsjugend. Ihr beklagt die Gleichgültigkeit der Jugend – aber über Kriegsdienstverweigerung laßt ihr mit euch nicht reden. Ihr verurteilt die Gewalttätigkeit vieler Jugendlicher
– aber ihr verbietet mir die Zärtlichkeit von Susi. Ihr wünscht mir eine bessere Zukunft – aber ihr meßt mich an
eurer Vergangenheit. |
... hat die Klasse 5C ihre persönlichen Strophen
hinzugefügt:
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Ihr
sagt ich
muss früh nach Hause kommen aber wenn ihr aus dem Haus geht
könnt ihr jeden Moment zurück
kommen.
Ihr beklagt,
dass ich zu viel esse
aber wenn ihr wollt
leckt ihr auch die Teller
ab.
Ihr fordert
ich soll mich mehr für Kunst und Kultur
interessieren
aber ich sehe,
dass ihr viele Vorurteile
habt.
Ihr
sagt ich
soll das Leben kennen lernen aber ihr liebt mich zu viel
und schützt mich zu
sehr.
Ihr
sagt, dass ich wachsen sollte
aber ihr lasst mir nicht
meine Erfahrungen machen.
Ihr
sagt
ihr habt geliebt
aber ihr lasst mir nicht
meinen Freund lieben. |