Progetto Comenius

L'Europa nella nostra città

Europa in unserer Stadt – Spurensuche § Europe dans notre ville – chercher des traces

 

Deutsche Familien in Neapel

Brinkmann

Enrico Margiotta

Antonia Bonetti

 

Theo Brinkmann, der jüngste von 10 Geschwistern, kam aus Westfalen und besuchte die Königliche Akademie von Glasshütte (Sachsen). Nach der Schule arbeitete er in dem berühmten Atelier Patek-Philippe in Genf als Uhrenmacher und dann, gegen Ende vom neunzehnten Jahrhundert, kam er nach Neapel.

Hier, am Gründonnerstag des Jahres 1900, eröffnete er einen Laden, wo er Uhren reparierte und verkaufte.

Das Geschäft lag gegenüber der Galleria Umberto I in der Toledo Straße, die war, und heute noch ist, eine sehr lebendige Hauptstraße mit vielen Geschäften und Boutiquen.

Das Geschäft hatte Erfolg, weil in dem Schaufenster eine komische Uhr ausgestellt war, die anscheinend ohne jeglichen Mechanismus funktionierte. Aber das war nur ein Trick: hinter dem Schaufenster war ein kleines Stäbchen, das die Zeiger bewegte.

Das war eine gute Werbung für das neue Brinkmanns Geschäft.

Der erste Kunde war der Inhaber von dem nahe liegenden Literatencafè Gambrinus, ihm folgten im Laufe der Jahrzehnten der Professor Reinhard Dohrn, die Nichte vom Philosophen Benedetto Croce und Achille Lauro, Bürgermeister von Neapel in den 60er Jahren. Wahrend des ersten Weltkriegs hatte Theo große Probleme, weil er aus Deutschland war, also damals „Feind“ Italiens. Deshalb konfiszierte ihm die italienische Regierung  sein Geschäft. Erst nach dem Krieg konnte er das Geschäft wiederhaben, aber er musste viel Geld dafür zahlen.

Seine Frau, Eugenie Wächtler, die aus München kam, lernte 1920 an der Solfatara kennen.

Sie hatten zwei Kinder, Giovanna Maria und Theo jr. Giovanna Maria wurde 1929, Theo jr. wurde 1931, beiden in Neapel geboren.

Die kleinen Theo und Giovanna Maria besuchten die Schweizer Schule in Neapel.

Auch im zweiten Weltkrieg hatte die Familie Brinkmann große Probleme.

Diesmal konfiszierten die Engländer das Geschäft in der Toledo Straße, als Schadenersatz, weil die Deutschen das Geschäft der englischen Firma Condrington bombardiert hatten.

Theo und Eugenie mussten Neapel verlassen und nach Deutschland mit den beiden noch kleinen Kindern zurückfahren.

Deutsche waren in dieser Zeit nicht gut angesehen.

In Deutschland blieben sie zirka 10 Jahre und lebten bei Freunden und Bekannten.

Dort besuchten Theo jr. und Giovanna Maria das Gymnasium und lernten Deutsch.

Bevor sie zurückkommen konnten, musste Theo senior ein Aufenthalterlaubnis beantragen. Kapitän Morandini, der für die Untersuchung zuständig war, erkannte Theo senior weder als Deutschen noch als Italiener, sondern als Neapolitaner! So durfte er nach Neapel zurück.

1953, wieder mal am Gründonnerstag, eröffneten die Brinkmanns ein neues Geschäft in der Piazza Municipio. Im gleichen Jahr starb Theo senior und das Geschäft wurde von den beiden Kindern übernommen.

Jetzt verkaufen sie in dem Laden nicht nur Uhren sondern auch Juwelen.

Heute arbeiten Erika und Adriana, die Töchter von Theo jr. und Clelia Greco, in dem Geschäft auf der Piazza Municipio, und seit 1990 gibt es ein anderes Geschäft in der eleganten Via dei Mille, das von Federico Squadrilli, dem Sohn von Giovanna Maria und Antonio Squadrilli, geleitet wird.

 

Diese von Theo senior gebaute Standuhr gab allen Uhren im Geschäft die genaue Zeit an.

 

 

Uhren der Firma Brinkmann

Theo Brinkmann senior 1910 vor dem Geschäft in der Via Toledo

Theo senior und  jr. nach dem Krieg vor dem Geschäft auf der Piazza Municipio

Eugenie, Theo senior und die Kinder Theo jr. und Giovanna Maria gegen 1950

Die Geschäfte auf der Piazza Municipio und in der Via dei Mille heute

Adriana Brinkmann

Theo jr. und Tochter Erika

Theo jr. und Schwester Giovanna Maria

Federico Squadrilli