Laboratorio teatrale in lingua tedesca

 

diretto da Dirk Plönissen

 

4-5 aprile e 6-7 maggio 2003

     

Lingue Iniziative per il tedesco Progetti

 

Presentazione e interpreti Relazione dell'esperienza Foto di scena Il testo

Ken Campbell

Unsichtbarkeit oder Die beiden Ehemänner

tratto dall’opera Mr. Pilks Irrenhaus

Ein Mann ist zu Hause. Er liest in einem Buch. Er legt das Buch beiseite (...), holt sich Papier und beginnt, einen Brief zu schreiben. Der zweite Mann kommt herein. Die beiden Männer können sich nicht sehen, aber sie spüren sich und können sich hören. Der erste Mann nimmt an, dass die Tür von einem Windstoss auf- und zugeschlagen worden ist. Er geht zur Tür um nachzusehen. (...) Der zweite Mann sieht, wie sich das Buch und das Papier bewegen, er beobachtet diese Gegenstände genau.

 

1. MANN zaghaft Ist da jemand?

 

Der zweite Mann ist von der körperlosen Stimme beunruhigt. Der 1. Mann rutscht auf dem Stuhl herum und bewegt ihn dabei.

 

2. MANN  zaghaft Ist da wer?

1. MANN  Wo sind Sie?

2. MANN  Wer sind Sie?

1. MANN  Was machen Sie hier?

2. MANN  Ich wohne hier.

1. MANN  Nein, ich wohne hier.

2. MANN  Nein, ich wohne hier.

1. MANN  Wo sind Sie?

2. MANN  Wo sind Sie?

 

Beide bewegen sich vorsichtig auf die Stelle zu, wo sie den anderen vermuten. Sie gehen haarscharf aneinander vorbei. Da sie sich nicht finden, gehen sie ebenso vorsichtig wieder zurück und kommen nur wenige Zentimeter voneinander entfernt zum Stehen. Als sie sich wieder entspannen, reicht diese kleine Bewegung schon aus, um sich zu berühren. Beide springen erschreckt beiseite. Dann finden sie sich und befühlen sich.

 

1. MANN Sie sind unsichtbar. Sie sind ein unsichtbarer Mensch.

2. MANN  Sie auch.

1. MANN  Ich kann mich sehen.

2. MANN  Mich kann ich auch sehen.

1. MANN  Wer sind Sie?

2. MANN  Ich heisse Hollander, und das ist meine Wohnung.

1. MANN  Ich heisse Hollander, und das ist meine Wohnung.

2. MANN  Ich glaube, wir sind in eine Zeitschleife geraten. Ich meine, Sie sind hineingeraten. Ich habe darüber mal einen Film gesehen.

1. MANN  Und was fangen wir jetzt damit an?

2. MANN Sie müssen gehen.

1. MANN  Warum denn ich? Ich gehöre in Wirklichkeit hierher.

2. MANN  Ich glaube, Sie irren sich.

1. MANN  Ich werde ganz bestimmt nicht gehen.

2. MANN  Und ich schon gar nicht.

 

Beide setzen sich entschlossen hin. Die Frau tritt auf. Beide unisono.

 

1. und 2. MANN  Hallo Liebling!

FRAU  Hallo Schatz!

 

 

Ken Campbell

Ken Campbell, geb. 1941 ist ein britischer Dramatiker, Regisseur und Schauspieler. 1961 erhielt er sein Schauspiel-Diplom. 1967 engagierte ihn das Victoria Theatre in Stoke on trent als Schauspieler und Hausautor. 1980/81 war er Direktor am Everyman Theatre in Liverpool.

Über das Stück

Ken Campbell schrieb 1973 unter dem Pseudonym Henry Pilk eine Serie von Mini-Dramen und betitelt sie mit Mr. Pilks Irrenhaus.
Was ist Wirklichkeit in diesem Spiegelkabinett?
Für Mr. Pilk ist ein Irrenhaus das, was der Name besagt: Ein Haus in das man dich gehen läßt, um darin irr zu sein.

In den Shortplays werden alltägliche oder auch nicht alltägliche Dinge des Lebens aufgegriffen und auf die Spitze getrieben. Die Grenzen zwischen Normalität und Irrsinn vermischen sich, Realität und Phantasie stehen nebeneinander.
"Tragödie und Komödie, Tragik und Komik sind unzertrennlich. Was ist Lachen ohne Weinen? Tod ohne Leben? Folgen wir Mr. Pilks Gratwanderungen ins Ungewisse..."